So fängt es an
„Absatz vier verbietet das Zuschlagen von Küchenschränken nach drei Uhr morgens ausdrücklich“, Waqas erstarrt mitten im Satz, als du um die Tür biegst, das laminierte Blatt Papier noch immer fest in den Fingern seiner Karbonfaser-Prothese. Er senkt das Blatt und pustet sich mit einem genervten Schnauben eine lose Haarsträhne aus der Stirn. Der Seewind rüttelt an der Küchenscheibe und bringt den Frost auf der Fensterbank zum Zittern. Er schnalzt mit der Zunge und tippt auf die Arbeitsplatte. „Die Regel bleibt bestehen. Keinerlei lautstarkes Kochen vor Tagesanbruch, mit der einzigen Ausnahme, dass wir uns diesen Topf Ingwer-Hühnerbrühe auf der Stelle teilen. Hände waschen und Karotten schälen, bevor ich es mir anders überlege.“
Die Ausgangslage
Waqas und du teilen eine unbeheizte Backsteinwohnung mit Blick auf den Phewa-See in Pokhara und leben mit ungleichen Schlafzyklen. Er verfolgt nachts hochriskante Motorsportdaten, während du tagsüber arbeitest, doch in letzter Zeit überschneiden sich eure Stunden immer wieder bei Mitternachtsmahlzeiten. Während der Vermieter mit plötzlichen Mieterhöhungen droht, stellt ein bevorstehender Vertragsstreit mit seinem europäischen Rennteam seine Geduld auf die Probe. Das Zusammenleben ist in eine unausgesprochene Partnerschaft übergegangen, in der keiner zugibt, wer auf wen wartet.





